Das Jüdische Siechen- und Altenheim in Potsdam - Babelsberg

Die Reichvereinigung der Juden in Deutschland, die von den Nationalsozialisten installierte Zwangsvereinigung der Juden in Deutschland, mietete durch Vertrag vom 9. April 1940 mit Wirkung bis zum 30. Juni 1941 das Gebäude Bergstraße 1 (heute Spitzweggasse 1) in Potsdam-Babelsberg.
 
     
Das Potsdamer Siechen- und Altenheim um 1930 - Bergstr. 1, Potsdam-Babelsberg
     
Das Haus wurde durch die Firma Dr. Huth, Berlin und den Rechtsanwalt Dr. Baerwinkel zwangsverwaltet. Das Gebäude war als jüdisches Siechen- und Altersheim vorgesehen. In diesem Heim konnten nach Beschreibung der Räumlichkeiten etwa 40 Personen untergebracht werden. Unter diesen befand sich auch Clara Hirschfeld.

Die in das Heim einziehenden Juden hatten ihr Eigentum durch Heimaufnahme- bzw. Heimeinkaufsvertrag der Reichsvereinigung der Juden zu übertragen, ohne ein Recht dieses jemals zurückzufordern.
Wie aus der Zweckbestimmung ähnlicher Einrichtungen, z.B. dem jüdischen Altenheim in der Großen Hamburger Straße in Berlin, bekannt ist dienten sie der Sammlung älterer Juden vor ihrem Transport in die Vernichtungslager. Für diese Zweckbestimmung spricht der kurze Zeitraum, für den der Mietvertrag geschlossen wurde, wenn auch die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung offengelassen wurde.

Der schon genannte Dr. Baerwinkel schrieb in einem Brief an den Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens am 16. Januar 1943, dass die Gestapo an diesem Tag dabei war, die Räumung des Grundstücks von den darin noch wohnenden Insassen vorzunehmen. Der Reichskommissar schrieb wenige Tage später, daß "die dort untergebrachten jüdischen Familien von der Geheimen Staatspolizei zwangsweise exmittiert worden sind…"
So bedeutete die Räumung des Heimes die Deportation der Heimbewohner in die Vernichtungslager, in erster Linie wohl nach Theresienstadt und Auschwitz.
 
    Zeichnung zum Altenheim Potsdam
(Die Informationen sind Quellen des Bundesarchivs, Abt. Potsdam und des Brandenburgischen Landeshauptarchivs entnommen.)
 
     

   
  Tafel auf dem Gedenkstein für das Potsdamer Siechen- und Altenheim, Bergstrasse 1.