Pomologen und Schüler gemeinsam auf der Landesgartenschau

„Was habe ich denn für einen Apfel in meinem Garten?“
 
Vom 27. bis zum 30. September hatten der Pomologenverband und das Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum die Orangerie für sich – natürlich nicht für sich allein. Hunderte Gäste strömten über diese Tage verteilt in die Orangerie und brachten ihre Äpfel mit. Die Mitarbeiter des Pomologenverbandes bemühten sich, die Äpfel zu bestimmen. Das war nicht immer so einfach. Oft konnte gesagt werden: „Ja, das ist der und der Apfel.“ Noch öfter aber mussten die Äpfel bestimmt werden. Das aber funktioniert nicht so, wie das Bestimmen von Pflanzen und Tieren mittels eines Bestimmungsbuches. Äpfel werden bestimmt, indem man zuerst versucht einzuschätzen, in welche Richtung die Art einschlagen könnte. Größe, Farbe, Aussehen spielen eine Rolle. Ist der Stiel gerade oder schräg? Wie sitzt die Blüte? Spielt die Farbe der Schale in das Fruchtfleisch hinein? So nähert man sich allmählich an die richtige Sorte an. Dann wurden Bücher gewälzt. Meist gelang die genaue Bestimmung. Ab und an musste gesagt werden: „Ja, die Sorte könnte es sein.“ Aber es gab auch Apfelsorten, bei denen die sachkundigen Pomologen kapitulieren mussten.

„Nicht alles lässt sich bestimmen. Dafür gibt es zu viele und vor allem auch viele alte Sorten in den Gärten“, so Hans-Georg Kosel, der die Zusammenarbeit zwischen dem Pomologenverband und dem Oberstufenzentrum (OSZ) koordinierte.

Die Idee, etwas gemeinsam zu machen, wurde vor zwei Jahren beim Apfelfest geboren. Pomologen und OSZ hatten benachbarte Stände. Hans-Georg Kosel und Dr. Rüdiger Hille, Abteilungsleiter am OSZ kamen ins Gespräch. Als der Laga-Auftritt der Pomologen anstand, erinnerte man sich an das damals formulierte Vorhaben und meldete sich beim OSZ. Thekla Hoch, die verantwortliche Lehrerin, koordinierte den Schülereinsatz und begleitete ihn inhaltlich.

Als ich die Orangerie betrat, empfing mich Apfelgeruch. Rechter Hand war eine meterlange Tischfläche mit Tellern, auf denen Äpfel der verschiedensten Sorten lagen. Besucher mit eigenen Äpfeln standen davor und verglichen ihre mitgebrachten mit den ausgelegten Äpfeln, allein oder mit einem Pomologen zusammen. Links hinten hatten die Apfelkundler ihren Tisch mit den Bestimmungsbüchern. Am Tisch davor fand man die Schüler des OSZ. Mittels Handrefraktometer wurden Zuckergehalt und Oechslewert bestimmt. Das Reflektometer bestimmte den Ascorbinsäuregehalt, den Gehalt an Vitamin C. Dankbar wurde dieses Angebot von den Besuchern angenommen. Erfuhr man doch so nicht nur, welche Sorte im eigenen Garten steht, sondern auch gleich, wie wertvoll diese Sorte ist. In eine Liste wurden die Apfelsorten mit den ermittelten Werten eingetragen.

Nachdem ich mich ausführlich über das Angebot informiert und lange Gespräche mit Hans-Georg Kosel und meinen eigenen Schülern geführt hatte, ärgerte ich mich, dass ich die Äpfel aus meinem Garten nicht mitgenommen hatte … und kam am nächsten Tag wieder, dieses Mal mit meinen Äpfeln.

Carsten Zehm
 



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