Projekt zur Förderung von Vielfalt und Toleranz in der Ausbildung - Diversity

"Vielfalt und soziale Gerechtigkeit - Durch Diversity Horizonte erweitern"

Laufzeit des Projektes: 15. Mai 2009 bis 31. März 2012

Feindseligkeit und Diskriminierung bis hin zu Gewalttaten gegenüber Menschen werden staatlich, institutionell und kulturell mitproduziert, so die Ergebnisse aus der Studie „Deutsche Zustände“ von Wilhelm Heitmeyer. Dies legitimiert eine Alltagskultur, in der Diskriminierung als „Normalität“ angesehen und etabliert wird. Um so wichtiger ist es Gegenprojekte zu schaffen, um diesen menschenfeindlichen Strukturen sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis entgegen treten zu können.

Ausgangslage
 
Seit einigen Jahren beschleunigt sich ein Auseinandergehen der Schere zwischen einerseits globalen Arbeitsanforderungen und andererseits einer sozialen Desintegration von sozial Benachteiligten.

Die Problemaspekte gestalten sich in der bundesdeutschen Wirklichkeit eines Einwanderungslandes so vielfältig, wie es unterschiedliche Lebensrealitäten gibt. So erleben Jugendliche mit Migrationshintergründen oftmals Ausgrenzungen und eine soziale Desintegration, die sie mit Selbst-Ethnisierung beantworten. Die aktuelle Migrationsforschung bescheinigt der Bundesrepublik die Gefahr eine gesamte Generation von jungen MigrantenInnen zu verlieren. Hier müssen Formen entwickeltet werden, durch die eine reale Partizipation dieser Jungendlichen ermöglicht wird.

In dem mehrheitsdeutschen Teil der Gesellschaft gibt es immer noch die Tendenz einer Besitzstandsicherung, die auf nationalistischen und rassistischen Ausgrenzungen beruht. Besonders in strukturell sehr schwachen Regionen zeigt sich, dass diese Einstellungen in erschreckend hohem Maße in den Rechtsextremismus münden.

Jugendliche, die sich zunächst als von gesellschaftlichen Prozessen 'Abgehängte' erleben, benötigen Unterstützung um ihre eigenen Ressourcen in einem solchen globalen Arbeitskontext zu verorten.

Hier stellt sich das Projekt "Vielfalt und soziale Gerechtigkeit" die Aufgabe die Jugendliche auf der konkreten Ebene der Berufsausbildung für die bestehenden und kommenden Anforderungen zu qualifizieren. Dabei geht es um die Anerkennung von „Differenz“ des Individuums in einer Gruppe als auch um die Anerkennung von Differenz so genannter konstruierter „anderer Gruppen“.

Das XENOS-Projekt "Vielfalt und soziale Gerechtigkeit - Durch Diversity Horizonte erweitern" richtet sich an Auszubildende aus Brandenburg und beiden Teilen Berlins. Junge Menschen sollen die verschiedenen Aspekte von Vielfalt entdecken, diese in ihrem Arbeits- oder Schulkontext erfahren und umsetzen. Das Projekt hat zum Inhalt betriebliche und überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen über einen Zeitraum von drei Jahren in der Entwicklung eines Umgangs mit Unterschiedlichkeit zu unterstützen. Dabei werden kontinuierliche Begleitungen von Ausbildungsgruppen über zwei/drei Jahre umgesetzt, die verschiedene modulartig zusammengesetzte Seminareinheiten rund um das Thema Diversity und soziale Gerechtigkeit zum Inhalt haben.

In 6 x 3-tägigen Trainings beschäftigen sich die Teilnehmenden mit folgenden Themen:  
  1. Konflikte und Toleranz: Konfliktbearbeitung, Toleranzgrenzen, interkulturellen Kommunikation
  2. Geschlechterrollen und Lebensweisen: Geschlechter-Normen, Chancen(un)gleichheit, Geschlechtsspezifik in der Ausbildung, Homosexualität und Homophobie
  3. Rassismus: Vorurteile und Stereotypen, Rassismus in der Gesellschaft, Diskriminierung, Islamophobie
  4. Soziale Gerechtigkeit: Solidarität/Engagement und soziale Gerechtigkeit, eigene Einfluss-möglichkeiten erkennen und ausbauen, Eigene (Un-) Gerechtigkeits-Erfahrungen, Globalisierung
  5. Rechtsextremismus: rechtsextreme Ideologien und deren Feindbilder, rechtsextreme Symbole, geschichtlicher Bezug
  6. Antisemitismus: jüdisches Leben, Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart, Nationalsozialismus
  7. Religion: Religionen kennen lernen, interreligiöser Dialog, Politisierung von Religion (Islamismus), religiös motivierter Antisemitismus
  8. Ost-West: Herkunft als Teil der Identität, Vorurteile über Ost- und Westdeutsche, historische Bezüge und Hintergründe, Jugendsubkulturen
  9. Europa: Vor- und Nachteile der EU, arbeitsmarktbezogene Möglichkeiten für junge ArbeitnehmerInnen

Nachhaltigkeit und Transfer
 
Die im Projekt erworbenen Diversity-Kompetenzen werden von den Auszubildenden direkt angewendet. Zusätzlich werden durch Fortbildungen für die an den Ausbildungszentren tätigen MultiplikatorInnen das Konzept und die Methodik von Diversity und Social Justice vermittelt und in den jeweiligen Einrichtungen implementiert. Die MultiplikatorInnen werden damit befähigt, die Werte Vielfalt und Toleranz über das Projekt hinaus in ihrer Arbeit stärker zu verankern.

 
   
   



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