Spurensuche in Lidice 2012

Deutsche und tschechische Schüler auf den Spuren der Frauen von Lidice

Im Rahmen der diesjährigen Schülerbegegnung des Beruflichen Gymnasiums des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums und der Fachschule Kolin erforschen deutsche und tschechische Jugendliche in einem gemeinsamen Projekt das Schicksal von Frauen aus Lidice, die von 1942 bis 1945 im KZ Ravensbrück interniert waren.

Anlass ist der 70. Jahrestag des Überfalls auf das böhmische Dorf Lidice, das im Mai 1942 als Vergeltungsaktion für das Attentat auf Reinhard Heydrich den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleichgemacht wurde. Alle männlichen Bewohner des Ortes wurden erschossen, die Mehrzahl der Kinder wurde vermutlich in Vernichtungslagern ermordet. Die Frauen deportierte man nach Ravensbrück.

Um an deren Schicksal zu erinnern, haben die Schülerinnen und Schüler eine zweisprachige Lesung gestaltet, an der viele Besucher der Gedenkstätte sowie interessierte Jugendliche teilnahmen. Im Mittelpunkt des Programms standen Texte zu den Lidicer Frauen, die die Jugendlichen durch ihre Recherchen erarbeitet haben. Mit Unterstützung der pädagogischen Mitarbeiter fanden sie im Archiv und in der Ausstellung der Gedenkstätte Hinweise zu den Hintergründen ihrer Verschleppung und zu den Lebensbedingungen im Lager. Weitere Einblicke in den Leidensweg der Frauen, die von ihren Kindern und Männern getrennt worden waren und nichts über deren Schicksal wussten, und in ihre innere Zerrissenheit und Verzweiflung bekamen die Schüler auch durch die Auswertung von Videointerviews, die die Filmemacherin Loretta Walz mit Überlebenden geführt hat.

Den deutschen und tschechischen Jugendlichen ist bei ihrer Projektarbeit klar geworden, wie stark dieser Teil der gemeinsamen Vergangenheit beider Länder bis heute nachwirkt, aber auch wie wichtig es ist, dafür zu sorgen, dass Menschenrechte heute und in Zukunft für jeden gelten und geachtet werden müssen.

Die Projektarbeit wird im Juni 2013 in Tschechien fortgeführt. Dabei werden die Jugendlichen die Gedenkstätte in Lidice besuchen und dort im Rahmen ihrer Recherchen mit Zeitzeugen sprechen.

Gefördert wurde das Projekt durch das Programm EUROPEANS FOR PEACE der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ).

 
     
     

last update: 15.12.2012



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